Informationen über den Walchensee/Bayern


 

Ufer gesperrt

"Wir wollen den Wassersport nicht verbieten, sondern kanalisieren. Es geht um den Erhalt des Westufers", begründet Jutta Maier, Umweltreferentin beim Landratsamt Bad Tölz, die neue Landschaftsschutzverordnung. Seit Ende Juni ist es amtlich: Das Westufer des Walchensees darf im nächsten Jahr nicht mehr betreten werden. Lediglich über vier neu angelegte Einstiegsstellen (im Bereich von Spot Nr. 1 [s.u.]) können Windsurfer am Westufer noch einsteigen - Parkplätze sind an diesen Stellen aber mehr als knapp. Der fällige Fußmarsch zu einem der vier offiziellen Großparkplätze kann allerdings bis zu 1500 Meter weit sein. So macht Umweltschutz keine Freude.

Da stellt sich mir als leidenschaftlicher Surfer doch die Frage: "Wer schützt die Windsurfer vor den Naturschützern?!?"




Das surf MAGAZIN schreibt:
(Ausgabe Juni 1993)


SOLAR-ENERGIE

Der kleine Bruder des Gardasees liegt vor der Münchner Haustür: Am Walchensee knipst die Sonne ein Windsystem an, das nach der gleichen Gesetzen wie die Ora arbeitet. Dazu gibt's eine atemberaubende Bergkulisse und viel Platz fürs Picknick - wenn man perfekt ausgerüstet ist.

Hier trinkt man Weißbier statt Weißwein und ißt Pressack statt Pasta. Aber sonst hat der oberbayrische Walchensee einiges mit dem norditalienischen Gardasee gemein. Beide liegen in den Bergen, haben Thermik-Starkwind bei Sonnenschein und sind im Sommer ziemlich umlagert. Allerdings ist im bayrischen Schönwetterrevier alles etwas kleiner und beschaulicher.

Der Walchensee liegt etwa 90 Kilometer südlich von München. Man erreicht ihn am einfachsten über die A 95 Richtung Garmisch. An der Ausfahrt Murnau/Kochel verläßt man die Autobahn und fährt auf der B 11 bis Kochel und folgt dann der Beschilderung an den Walchensee. Deutschlands höchstgelegener Bergsee liegt auf 802 Meter Höhe. In Nord-Süd-Richtung mißt er etwa fünf, vom West- zum Ostufer etwa vier Kilometer.

Die Walchensee-Ora kann es an sehr guten Tagen mit ihrer italienischen Schwester aufnehmen. Voraussetzung dazu ist freilich eine ganz bestimmte Wetterkonstellation: Der Himmel muß wolkenfrei sein, die großräumige Luftströmung aus Norden oder besser aus Nordosten kommen. Die Termperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht müssen möglichst groß sein. Insider behaupten, daß es den besten Wind gibt, wenn schwerer Nebel im Alpenvorland hängt oder der Segelflugwetterbericht sogenannte Blauthermik vorhersagt. Der Wind kommt gegen elf Uhr von Nord (aus Richtung Urfeld) und verabschiedet sich meistens langsam zwischen 15 und 16 Uhr (Stärke zwischen 4 und 6 Beaufort). Alle Südströmungen arbeiten gegen die Thermik, so daß sich kein Gleitwind aufbauen kann. Wenn sich über den Bergen im Süden Quellwolken bilden, wird es ebenfalls nichts mit dem Starkwind, beziehungsweise ist er bald vorbei.

An Wochenenden, für die guter Wind vorhergesagt wird, sind alle wassernahen Parkplätze spätestens um zehn Uhr besetzt.

URFELD

Direkt am Surfshop sehr wenig Parkplätze. Einsieg über eine steile Treppe. Die ersten 400 Meter liegen in der Windabdeckung. Großes Brett oder sehr gute Balancegefühl sind hier Plicht. Etwas 500 Meter weiter südlich sind an der Uferstraße noch einige öffentliche Parkplätze und eine Einsiegsstelle. Absoluter In-Spot ist immer noch die Galerie. Hier gibt es allerdings nur sehr wenige Stellplätze, und die Uferböschung leidet heftig unter den ständigen Kletterübungen der Surfer. Wer sein Umweltbewußtsein zu Hause läßt, kann seine Gewissensbisse mit Starkwind in Ufernähe unterdrücken.

URFELDER BUCHT

Nur 800 Meter muß man zu einer kleinen Einlaßstelle mit Kiesstrand und Grasufer laufen. Bis in die Gleitzone ist allerdings noch mal 200 Meter Dümpeln auf dem Wasser angesagt.

SACHENBACHER BUCHT

Hier sind Autos tabu. Wer an den besten Spot mit dem meisten Wind am Walchensee kommen will, muß seine Benzinkutsche in Urfeld stehen lassen. Per pedes oder Rad (Surfwagen) sind es etwa zwei Kilometer bis in die Sachenbacher Bucht. Man kann auf Gras aufriggen und an einem Kiesstrand starten. Meist reicht der Wind sofort zum Gleiten.

MAUTSTRASSE JACHENAU

Wer nirgends mehr einen Parkplatz ergattern kann. muß vier Mark Maut berappen (am Ufer vorbeifahren, hinter Einsiedl links ab). Dann findet er allerdings ziemlich sicher an der Uferstraße in der Jachenau eine Einlaßstelle. Nachteil hier: Es gibt einen Luvstau, und mit einem kleinen Slalombrett kommt man sehr in die Starkwindzone.

EINSIEDL

An der Surfschule von Reinhard Post kommen Einsteiger am breiten Kiesstrand auf ihre Kosten. Schwachwind-Spot.

WALCHENSEE

An der Surfschule Walchensee an der Herzogstandbahn stehen die meisten Parkplätze des ganzen Ufers zur Verfügung. Die Plätze direkt am Wasser sind allerdings durch einen nur 1.70 Meter hohen Balken sogar für Pkw mit Material auf dem Dach tabu (es sei denn, man lädt vor der Schranke ab). Bei guter Thermik stezt sich der Gleitwind bis hierhin durch.

Verkehrsamt Kochel, Tel. 08851/338


Weitere Anmerkungen:


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