"Kimble" und die Flughafen(un)sicherheit
Kimble angeklagt wegen Betrugs, Datenausspähung und Computermanipulation. Alleine das Verlesen der Anklageschrift hat über eine Stunde gedauert. So lang ist die Liste der Vergehen, die der Computerfreak vom Schreibtisch aus geplant und durchgeführt haben soll.

23.03.1998 by The-Trunk-Toaster 
 Immer wenn er den Computer einschaltete, machte er eine
 Metamorphose durch: Aus Kim Schmitz wurde "Kimble", der König des Computer-Untergrunds..
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"Es war wie eine Sucht: Ich habe mich morgens an den Rechner gesetzt und bin nach 16 Stunden wieder ins Bett gefallen.".
"Ich habe mir eine zweite Identität aufgebaut und mein normales Leben völlig vernachlässigt." Kimble wurde immer dicker, hatte nur noch ein Ziel:
"In der Hacker-Szene der Beste und Bekannteste zu sein." 
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Doch Bekanntheit alleine reichte ihm offensichtlich nicht: Mit seinen Computer-Spielereien zockte er mächtig ab:
Er knackte die Nummern einiger "Calling-Cards" amerikanischer Bürger und telefonierte so auf deren Kosten weltweit. Mit diesen Nummern rief er per Dauerwahlautomatik bei von ihm dafür  gegründeten Talk- Lines in Übersee an. So flossen die Telefongelder, mehrere 100 000 Dollar, wieder in die eigene Tasche - ein Schaden in Millionenhöhe. Schließlich soll "Kimble" gestohlene reditkarten mit geknackten Daten neu kodiert und weiterverkauft haben.
Er drang in den Rechner des Deutschen Beamtenbundes, las geheime Dokumente wie die Briefe vom Bundeskanzler Er kopierte Daten von 2.170 Kunden des Datex-P-Netzes der Telekom, wollte sich dann anschließend als Sicherheitsexperte
anbieten. Bereits 1994 war der Hacker mit dem unschuldigen Kindergesicht in Untersuchungshaft.
Wegen Geldnot sei er nach seiner Freilassung wieder kriminell geworden.
Doch auch seine Geltungssucht trieb ihn immer wieder zum Verbotenen.
"Ich habe das Gefühl des Spions genossen", gibt er zu.
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Doch sein bester Coup bisher war die Aktion auf dem Münchner Flughafen:
"Kimble" hat den Flughafen  "geknackt". Aber nicht per Online-Zugriff, sondern durch cooles Anklopfen beim Pförtner hat er die Sicherheits-Vorkehrungen überwunden. Und das gleich mehrmals. Dabei hatte Kimble ungestörten Zugang zu Tower und
Flugzeugen. Während die Kripo lacht, ist die verantwortliche Flughafenverwaltung bis auf die  Knochen blamiert. Schon vor Wochen hatte das Nachrichtenmagazin Focus vor Sicherheitslücken auf dem Münchner Flughafen gewarnt. Kimble gibt sich
sarkastisch: "Ein Terrorist hätte ... gleich mehrere Flugzeuge mit mehreren Kilos Sprengstoff präparieren können und zum Dank hätte ihm der freundliche Pförtner lächelnd zugewinkt."
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Aus einer Partylaune heraus ist Kimble zusammen mit Freund Sven E. erstmals in den abgesperrten Bereich des Flughafens eingedrungen. In einer Mai-Nacht, morgens um 1:30 Uhr, fuhren die beiden mit einer schwarzen Luxus-Limousine des Typs Mercedes E50 frech vor den VIP-Bereich (dort stehen die Privatjets) vor. Noch überlegend, wie sie den Pförtner überzeugen sollten, läßt der schon die Schranke hoch und winkt sie "lächelnd" herein. Und über eine weitere Zugangsstraße fahren die beiden ohne weitere Kontrollen auf den Hauptbereich des Flughafens. Freier Zugang zu Wartungshallen und Jumbos. Nach zwei Stunden verläßt die Truppe den Flughafen auf dem gleichen Weg. Wieder ohne Kontrolle und wieder ein lächelnd winkender Pförtner. Von dem Erfolg geschockt, versuchen die beiden es am nächsten Tag gleich noch einmal.
Diesmal am Tag und diesmal greifen sie den Hochsicherheitsbereich des Flughafens an - den Tower. Und auch hier gibt es kaum Probleme. Die Visitenkarte der Kimble-eigenen Daten-Consulting-Firma Dataprotect vorgezeigt und etwas von Computer-Prüfung schwafelnd überzeugt den Sicherheitsmann. Der läßt sie ohne weitere Kontrolle in das Airport-Herzstück. Sie besuchen die Fluglotsen, plaudern mit dem Mann von der Wetterbeobachtung und trollen sich wieder. Erst beim nächsten Versuch einige Tage später werden sie geschnappt. Und auch nur, weil sie nicht den gleichen Weg als Ausgang benutzt haben.
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Doch zu spät. Kimble hat bei der dritten Spritztour die Kamera dabei und dokumentiert seinen Ausflug. Die Flughafengesellschaft versucht sich derweil in Schadensbegrenzung. Sprecher Ingo Anspach: "Wo die Verantwortlichkeit liegt, ist relativ komplex. So obliegt der Flughafen GmbH die Sicherheit des Geländes. Gleichzeitig sind die Fluglinien auch für eine Eigensicherung verantwortlich. Da gibt es dann komplexe Übergabepunkte. Außerdem müssen wir die Angaben von Herrn Schmitz überprüfen."
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Offensichtlich wollen die Flughafen-Verantworlichen den Fotos von Kimble nicht glauben. Zur Sicherheit haben sie erst einmal Strafantrag wegen Hausfriedensbruch gestellt, Schmitz und Kumpel drohen bis zu einem Jahr Gefängnis. Doch an die Ernsthaftigkeit glaubt Kimbel nicht: "Wir haben schon von der Flughafengesellschaft Signale erhalten, daß wir mit unseren Medienauftritten etwas vorsichtig sein sollen. Man hofft wohl auf ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Wir halten uns zurück, die stellen offiziell einen Strafantrag, man läßt etwas Gras darüber wachsen und dann wird die Anzeige zurückgezogen. Ich halte das für nicht seriös und lasse mir den Mund nicht verbieten."
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Dabei hat Kimble laut eigener Aussage die Informationen gar nicht an die Öffentlichkeit herausgegeben. Bei der Festnahme sei ein Polizist dabeigewesen, der wohl gute Kontakte zur Presse habe. Und nachdem dann die Flughafen-Blamage bekannt wurde, hat Kimble seine Version ins Internet gestellt www.dataprotect.com/airport/ Doch froh ist er über die ganze Publicity nicht: "Letztlich beiß ich mir in den Arsch, daß ich den Namen meines Unternehmens in die Geschichte mit hineingezogen habe. Wir bieten Dienstleistungen rund um Datensicherheitsfragen an. Darum geht es uns."
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Jetzt steht Kim S. (24) vor dem Münchener Landgericht -
angeklagt wegen Betrugs, Datenausspähung und Computermanipulation. Alleine das Verlesen der Anklageschrift hat über eine Stunde gedauert. So lang ist die Liste der Vergehen, die der Computerfreak vom Schreibtisch aus geplant und durchgeführt haben soll.
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Hier eine Nachricht aus einem Diskussionsforum:
Subject: [de.org.ccc] KIMBLE wuenscht gefoltert zu werden
From: Olaf Lautenschlaeger <Olaf_Lautenschlaeger@hro.maus.de>
Date: Thu, 14 Aug 97 00:00:00 +0200
Organization: Maus HRO BBS / Rostock, Germany / +49-381-696350

Von : CUTa089@hotmail.com (Di, 12.08.97 19:47)
Name: R. Bolungi
Subject: Re: KIMBLE wuenscht gefoltert zu werden :-)
 
 

Hi Kimble,

wir kennen Dich nur aus den Threads hier und durch Deine
Web-Site. Ich schreib Dir mal, wie man Dich auf einem anderen
Planeten bewertet.

- Also die Flughafen Geschichte (wenn sie so gelaufen is) is echt
cool. Da gibt's gar nichts dran zu deuteln. Das gibt die maximal
Punktzahl von +10 Punkten.

- Der Mercedes ABB?SPD?MVV? is die totale Kukident Schuessel fuer
Proleten-Aufsteiger, da muss ein schlanker, schneller Flitzer
her. Fuer den Opa-Wagen -5 Punkte. Da die Flughafensache ohne den
Wagen nicht gelaufen waere gibt's +2 Gnadenpunkte.

- Das P1 als Stammdisco zeugt nicht von Stil. Ich war 2 mal im
Abstand von einem Jahr drin und beide male war die Stimmung
gelangweilt mit 'ner Tendenz zur Haftcreme. No joy no fun, gibt
-4 Punkte.

- Dein Übergewicht wäre eigentlich egal, aber da du so viel
Wert auf Äußerlichkeiten legst, sieht das natürlich schon
Scheiße aus. Also: Weniger futtern, mehr Sex! Und -4 Punkte.
Zweitens ist die erste Regel fuer einen erfolgreichen Ge-
schaeftsmann:"Don't let them see you swet!"

- Is natuerlich reine Spekulation, aber dass Du Dich immer mit
dem momentan meistbeworbenen Parfuem zuschuetten musst, is hier
in den News zwar kein Problem, führt aber prinzipiell zur Ab-
wertung: -3 Punkte

- Auf den Bildern bezeichnest Du einen Typen mit Foenfrisur als
Deinen Freund. Freunde mit Fönfrisur sind nun wirklich das
Allerletzte. Da es sich aber auch um eine Perücke handeln
koennte, geben wir nur -1 Punkt.

- Daß Du es tatsächlich geschafft hast, Dich zum zentralen
Thema dieser Newsgroup zu schreiben und schreiben zu lassen und
das auch noch aufrechterhalten kannst, ohne daß das schlimmste
passiert - das Ignorieren Deiner Posts - ist super cool und gibt
volle +10 Punkte

- Durch Dein Hampelmann-Image schimmert gelegentlich echter
Humor: Dafuer +5 Punkte. "Der flüssige Stuhl, die heitere
Talkrunde mit Lutz Donnerkacke" gibt +2 Extrapunkte.

- Daß Du Dich als KIM "GOTT" SCHMITZ bezeichnest is eine
Unverschämtheit. Der wirkliche Gott beantwortet bei uns unter
der Rubrik "Probleme? Fragen Sie Gott - Der weiß Bescheid!"
alles was Du wissen willst: <http://mahlzeit.home.ml.org/gott.html>
Eigenwerbung gibt eigentlich gar keine Punkte aber weils jetzt
knüppelhart kommt geben wir Dir +2 Punkte einfach so.

- Im Luftstrom Deiner mentalen Kompetenz-Ventilation rauscht
extrem wenig Substantielles vorbei. Viel zu viele "Wenn ihr mich
in euren Sandkasten laßt, dann duerft ihr auch mit meinem Bagger
spielen" - Angebote. Also: Erst Bagger - dann Sandkasten. Ganz
klar - 8 Punkte.

- Das ständige Gewinsel und Gescharre vor der Tuer des CCC
"Bitte, bitte lasst mich doch endlich rein!" is ganz
fürchterlich und EXTREMST uncool bis zum geht nicht mehr.
Zusammen mit den dauernden persönlichen Beleidigungen gewinnt
man den Eindruck, daß Du trotz einiger vorzeigbarer Erfolge ein
pummeliger Windelpupser bist, der seine gekränkte Eitelkeit nur
mühsam mit einem Amüsier-Image zu kaschieren versucht. Nur
wegen Dir, muessen wir die nach unten nicht offene Punktskala er-
weitern und geben Dir dafuer -15 Punkte.

Die Bilanz: minus 9 Punkte. Kurzfristige Abhilfe: Disco und Auto
wechseln, weniger essen und mehr voegeln. Langfristig: Weniger
Ventilation mehr Substanz.

In diesem Sinne
Radobar
 

PS: Kennst Du die Werbung wo eine Off Stimme zu einem schrägen
Szene-Typen fragt: "Würden sie *ihm* ein Gehaltskonto geben? -
Wir schon! - Sparkasse."

Wir hatten folgende Idee fuer eine dataprotect Fernsehwerbung:

Vor einem quietschbunten Plastik-Urwald tanzt Du in einem
superknappen Baströckchen auf einer rotierenden Festplatte
Lambada. Eine Off-Stimme fragt: "Würden Sie sich von *ihm* in
Sicherheitsfragen beraten lassen? - Wir schon!" Einblendung:
Deutsche Bank, Telekom, Siemens, BASF....

Ob Du du die wirklich berätst is ja nich so wichtig, aber stell
Dir den Wirbel im Blaetterwald vor. Wäre das nich geil?
 

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Planet-Mahlzeit! <http://mahlzeit.home.ml.org>
- Jelzins Magenschleimhaut
- Die Harald Schmidt Hate-Page
- Der Sex-Skandal des Jahrhunderts
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